5 .Welche weiteren konkreten Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den im Bericht erhobenen Fakten zu Bedarfen und Vorschlägen für eine künftige Jungengesundheitspolitik in Baden-Württemberg?

  • Auf Wunsch von uns Grünen wurde im Gesundheitsbild Baden-Württembergs festgeschrieben, dass  Erkenntnisse der Gender-Medizin bei der Entwicklung der medizinischen Versorgung in Baden-Württemberg berücksichtigt werden sollen.  In der nächsten Legislaturperiode wird es nun darum gehen, auszuloten, welche konkreten Handlungsspielräume das Land in diesem Bereich hat und wie diese sinnvoll genutzt werden können.

    Aus unserer Sicht ist im Bereich Jungen- und Männergesundheit insbesondere eine Sensibilisierung und Aufklärung über präventive Angebote notwendig. Dazu gehört sicher auch der Bereich der Suizidprävention. Wir Grüne haben uns bereits für die Förderung verschiedener innovativer Projekte (z.B. Youth Life Line und U25, welche Onlineberatung für Jugendliche in Krisen und bei Suizidgefahr anbieten) in diesem Bereich eingesetzt. Der durch das Landesgesundheitsgesetz neu geschaffene Landesausschuss für Prävention und Gesundheitsförderung sollte sich in Zukunft aus unserer Sicht auch mit der Thematik der gendersensiblen Prävention beschäftigen.

  • Der Bericht macht deutlich, dass Jungen mit den vorhandenen Angeboten nicht ausreichend erreicht werden. Daher ist es notwendig, speziell auf die Bedürfnisse von Jungen ausgerichtete Angebote und Maßnahmen zu entwickeln. Um dies umsetzen zu können müssen die speziellen Bedarfslagen genau zu analysiert und auf der Basis der gewonnen Erkenntnisse zielgerichtete Konzepte zu entwickelt werden. Zudem gilt es die Öffentlichkeit stärker für dieses Thema zu sensibilisieren.

  • Der vorliegende Bericht gibt auf seinen 184 Seiten einen guten Überblick und gibt viele sinnvolle Informationen und wertvolle Handlungshinweise. Bereits in der Zusammenfassung weist er darauf hin, dass Pauschalierungen nicht weiterhelfen, wenn es heißt: „Die Berücksichtigung dieser Unterschiedlichkeit auf Maßnahmenebene ist Schlüssel für deren Erfolg und findet bisher wenig statt, auch in Baden-Württemberg.“ Zielgruppen-und lebensweltbezogene Jungen- und Männergesundheitsförderung und Prävention sind für uns daher essenziell für einen dauerhaften Erfolg und signifikante Verbesserung der Situation. Ratsam scheint es zu sein, sich besonders auf sozial benachteiligte Zielgruppen, ihre Lebenslagen und Lebenswelt zu fokussieren. Denn es ist doch in der Tat bisher leider oft so: Diejenigen, die sich am ehesten um Prävention und ihre eigene Gesundheit kümmern sollten, werden mit den bisherigen Ansätzen nicht erreicht. Es muss eine Sprache gefunden werden, mit der die Adressaten nicht nur erreicht, sondern auch motiviert werden. Und die Menschen müssen dort abgeholt werden, wo sie sind. Das heißt, wir brauchen Angebote vor Ort in den Schulen. Wer Männer aber wirksam erreichen will, kommt um arbeitsplatzbezogene Strategien – vor allem in Baden-Württemberg – nicht herum. Eine gelingende Präventionsstrategie muss daher den Mittelstand mit einbeziehen.

    Für uns ist eine wichtige Erkenntnis aus dem Bericht, dass es an der Bruchlinie Übergang Beruf ins Rentenalter gefährliche Klippen zu umschiffen gilt. Auch hier möchten wir Unternehmen gewinnen, mehr für die psychische Stabilität und Vorbereitung auf die neue Lebenssituation zu leisten. Das betriebliche Gesundheitsmanagement braucht die Implementierung des psychischen Arbeitsschutzes. Denn wir wissen alle: Die Belastungen und der Leistungsdruck im betrieblichen, aber auch privaten Umfeld werden mehr. Eine nennenswerte Zahl der Männer will zudem über psychische Herausforderungen und Probleme sowie über Gefühle eher nicht reden. Die nötige Aufmerksamkeit für das eigene Ich muss erst noch als Selbstverständlichkeit gelernt werden. So wie jedes Auto in die Inspektion muss, so sollte auch jeder Mann zur Vorsorge gehen und lernen, sich zu öffnen.

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Zuletzt aktualisiert am 5. März 2016